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Wie ich versuchte, ein guter Mensch zu sein

© Ulli Lust / Suhrkamp Verlag

Wie ich versuchte, ein guter Mensch zu seinvonUlli Lust

Suhrkamp Verlag

Leseprobe

Ulli Lust, Mitte zwanzig, angehende Künstlerin in Wien, liebt zwei Männer: Den zwanzig Jahre älteren Georg, mit dem im Bett aber nichts mehr läuft, und den nigerianischen Flüchtling Kimata, den sie bei einer Party abschleppt, und zu dem sie in sexueller Leidenschaft entbrennt. Und dann ist da noch ein dritter Mann im Hintergrund, ihr Sohn Philipp, fünfjährig, der bei seinen Großeltern auf dem Land aufwächst. Dieses Beziehungsgeflecht arbeitet Lust in ihrer zweiten großen autobiografischen Graphic Novel „Wie ich versuchte, ein guter Mensch zu sein“ tabu- und schonungslos auf und verknüpft ihre Erfahrungen mit großen Themen: Liebe und Sex über Alters- und Kulturgrenzen hinweg, die Selbstbestimmung der Frau, alternative Lebensentwürfe, Flüchtlingspolitik …
Das ist überzeugend, weil Lust sich weder als Opfer noch als Täterin zeichnet, sondern als junge, streckenweise reichlich naive, egoistische und sexuell anspruchsvolle Frau, die von der Situation und ihren Rollen als Gefährtin, Liebhaberin und Mutter überfordert ist. Dieses komplizierte Kapitel aus ihrer Jugend erzählt Ulli Lust mit einem direkten, skizzenhaften Strich und einer Dringlichkeit, der man sich kaum entziehen kann.